
Wie der Vater so der Sohn? Wie die Mutter so die Tochter? Geht es um die Frage „studieren oder nicht studieren?“ gilt dieses alte Sprichwort auch heute noch, denn Akademikerkinder studieren dreimal häufiger als Jugendliche, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben. Laut der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes (DSW) wagen nur 24 von 100 Nichtakademiker-Kindern den Schritt an die Hochschule. Das gemeinnützige Förderprogramm STUDIENKOMPASS richtet sich deshalb seit 2007 gezielt an Schülerinnen und Schüler, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, und unterstützt sie bei der Auswahl, Aufnahme und Organisation eines individuell passenden Studiums.
Vom 14. Februar bis zum 13. März 2011 konnten sich Schüler, die sich im drittletzten Schuljahr vor dem Abitur befinden, bundesweit an 23 Standorten wieder um Aufnahme in das Förderprogramm bewerben. Rund 1.400 Schüler haben ihre Chance genutzt und sich beworben. Nächstes Jahr im Frühjahr startet die neue Bewerbungsrunde.
Der STUDIENKOMPASS ist eine Initiative der Accenture-Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw). Das Programm motiviert Schülerinnen und Schüler, deren Eltern keine Akademiker sind, ein individuell passendes Studium zu ergreifen. Das Besondere: Der STUDIENKOMPASS begleitet seine Teilnehmer drei Jahre und zwar in den letzten beiden Schuljahren und im gesamten ersten Jahr an der Hochschule. Intensive Workshops, Exkursionen, regionale Gruppenaktivitäten und eigenständig organisierte Veranstaltungen bringen jeden einzelnen Teilnehmer bei der individuellen Wahl eines Studiums voran und helfen ihm auch darüber hinaus, Zukunftspläne – beispielsweise für Auslandsaufenthalte oder Praktika – zu schmieden.
Das STUDIENKOMPASS-Konzept geht auf: Eine unabhängige Evaluation des Programms im Auftrag des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ergibt, dass über 90 Prozent der Programmteilnehmer den Weg in ein Studium finden und an der Hochschule Fuß fassen. Der STUDIENKOMPASS fördert 2011 bundesweit rund 1.400 Teilnehmer. Ömür Cekic aus Paderborn ist einer von ihnen. Dem 19-Jährigen, der kurz vor seinem Abitur steht, gefällt vor allem die Art und Weise, wie im STUDIENKOMPASS gearbeitet wird: „Durch die Aufteilung in Kleingruppen sparen wir Zeit: Wir können viele Informationen erarbeiten und diese anschließend der gesamten Gruppe vorstellen. Auch die Betriebsbesuche haben mir bei der Wahl des für mich richtigen Studiengangs geholfen.“
Eine aktuelle Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Stiftung der Deutschen Wirtschaft zeigt, dass neun von zehn Deutschen ihrem Kind ein Studium empfehlen würden, aber zwei Drittel der Befragten die Karrierechancen von Kindern aus Nicht-Akademikerfamilien schlechter einschätzen als von Kindern aus Akademiker-Haushalten. Sie befürworten eine intensivere Förderung von Nichtakademiker-Kindern schon in der Schulzeit, damit diese ihre Bildungschancen besser wahrnehmen. Mehr zur Umfrage
