Ganz allgemein:
Einen sicheren Rückhalt durch eine professionelle Betreuung bei einer der wichtigsten Entscheidungen im Leben, nämlich der Wahl eines Studiums und des beruflichen Werdegangs nach dem Abitur.
Genauer:
In Workshops und Trainings sowie bei regionalen Aktivitäten erfahren die Teilnehmer mehr über sich und ihre Fähigkeiten. Sie überlegen unter professioneller Anleitung, wie sie später gerne arbeiten würden und welches ihre Stärken und Schwächen sind, und gleichen dies mit ihren Wünschen und Interessen ab. Dieses persönliche Profil setzt sich nach und nach wie ein Puzzle zusammen, so dass sie immer mehr eine Vorstellung davon bekommen, was sie gerne machen möchten und noch wichtiger: wie ihr Weg über das richtige Studium zu diesem Ziel führt.
Der Studienkompass fördert gezielt Schüler, die zwar die Leistungsfähigkeit für ein Studium mitbringen, aber viel seltener ein Studium ergreifen, als ihre Altersgenossen. Dies sind laut unterschiedlicher Studien in der Regel Schüler, deren Eltern selber nicht studiert haben und in deren Familien daher keine akademische Erfahrung vorliegt. Nur in Ausnahmefällen nimmt der Studienkompass Bewerber auf, deren Eltern ein Studium absolviert haben. Ausnahmefälle können beispielsweise sein:
Besonders schwierige Situationen der Bewerber sollen im Lehrer-Empfehlungsschreiben genannt werden und finden bei der Auswahl der Bewerber eine Berücksichtigung. Lehrer-Empfehlungsschreiben
Selbst wenn beide Eltern eines Bewerbers studiert haben, kann ein Migrationshintergrund bei der Entscheidung für ein Studium hinderlich sein. Beispielsweise, wenn beide Eltern im Ausland studiert haben, ihr Abschluss hier nicht anerkannt wird und/ oder sie das deutsche Bildungssystem nicht kennen. Das Lehrer-Empfehlungsschreiben soll verdeutlichen, warum die Herkunft des Bewerbers bei der Aufnahme eines Studiums erschwerend wirkt.Lehrer-Empfehlungsschreiben
Der Auswahltest wurde von dem Institut für Test- und Begabungsforschung (ITB) speziell für dieses Bewerbungsverfahren entwickelt. Alle Schüler, die am Auswahltest teilnehmen, erhalten eine ausführliche individuelle Erläuterung zu den Ergebnissen.
Der Studienkompass-Auswahltest dauert zwei Stunden und wird in Schulen am Computer durchgeführt. Um die Studierneigung und die Fähigkeiten der Bewerber möglichst genau einschätzen zu können, besteht der Auswahltest aus zwei verschiedenen Teilen: aus einem Verfahren zur Messung der individuellen Lernfähigkeit und einem Fragebogen zur Selbsteinschätzung persönlicher Kompetenzen.
Im ersten Testabschnitt erhalten die Bewerber zwei Aufgabengruppen zum Zahlen- und Sprachverständnis. Lernfähigkeit ist hierbei gleichbedeutend mit der Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und sinnvoll zu verarbeiten sowie sich an neue Situationen anzupassen. Die hierbei verwendeten Aufgaben entstammen einem wissenschaftlich anerkannten und bewährten Lernfähigkeitstest. Die Einschätzung des Sprach- und Zahlenverständnisses der Teilnehmer ist für die Bewertung der Studieneignung sehr wichtig, da diese Fähigkeiten auch im Studium von grundlegender Bedeutung sind und bereits erste Hinweise auf Begabungen für bestimmte Tätigkeitsbereiche geben.
Im zweiten Teil des Auswahltests erhalten die Bewerber einen Fragebogen. Hier werden Erfahrungen und bisherige Erlebnisse in Schule und Freizeit erfragt. Zudem gibt jeder Bewerber anhand einer Skala von „trifft überhaupt nicht zu“ bis „trifft vollständig zu“ eine Selbsteinschätzung zu bestimmten persönlichen Kompetenzen, die durch verschiedene Aussagen dargestellt werden. Der Fragebogen zielt auf die Bereiche Zielstrebigkeit & Durchhaltevermögen, Initiative & Engagement, Motivation, Reflexionsvermögen und –bereitschaft sowie soziale Kompetenz.
Da auch denjenigen, die nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens nicht in das Programm aufgenommen werden können, von dem Studienkompass-Auswahltest profitieren sollen, erhalten alle Teilnehmer eine ausführliche Rückmeldung zu den getesteten Bereichen. Diese Rückmeldung erhält auch Anregungen, wie vorhandene Kompetenzen und Fähigkeiten noch weiter trainiert werden können. Jeder Testteilnehmer erhält damit gute Anregungen für die weitere berufliche Orientierung. Wenn ein Schüler nicht in das Programm aufgenommen werden kann, bedeutet dies nicht unbedingt, dass er nicht das Potenzial für ein Studium hat, sondern dass es andere Bewerber gibt, die mehr vom Studienkompass profitieren.
Eine tief greifende Orientierung, die Schülern wirklich etwas bietet, kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Wer seine Möglichkeiten und Interessen genau reflektieren möchte, braucht zwischen den Orientierungsveranstaltungen auch zeitlichen Raum, um die neuen Informationen zu überdenken. Ideal ist es, wenn nach einer bestimmten Phase der eigenen Reflexion bei der nächsten Veranstaltung darauf aufgebaut werden kann. So kommen die Teilnehmer stückweise zu einem wohlüberlegten Ergebnis – auch mit dem Spielraum, rechts und links vom Weg liegende Aktivitäten auszuprobieren.
Auch die Mitschüler der Studienkompass-Teilnehmer müssen sich vor ihrem Abschluss Gedanken über ihre Zukunft machen. Ob sie bei einem professionellen Programm mitmachen oder sich auf „eigene Faust“ informieren, macht in dieser Hinsicht keinen Unterschied, denn Zeit investieren muss hierbei jeder. Ein Programm wie der Studienkompass kann den Schülern sogar noch Zeit sparen, da es gebündelte Informationen bietet und die Teilnehmer gleich ohne viele Umwege zum nächsten Schritt führt. Dadurch kommen sie mit dem Studienkompass schneller und effizienter zu einem Ergebnis, als wenn sie sich die Informationen selber zusammensuchen müssen.
Die Teilnahme an den Studienkompass-Präsenzveranstaltungen lenkt nicht von schulischen Veranstaltungen ab, denn die Veranstaltungen finden in Blöcken am Wochenende statt. Die Veranstalter nehmen bei der Auswahl der Termine Rücksicht auf die Abiturprüfungen vor Ort. Aufgrund einer Teilnahme am Studienkompass wird niemand bei seinen Prüfungen in Zeitnot geraten. Allerdings ist die Teilnahme am Programm auch etwas Besonderes, das nicht jeder in Anspruch nehmen kann. Daher sollten die Teilnehmer/innen auch Engagement und Motivation mitbringen. Aus eigenem Antrieb sollen die Teilnehmer Zeit investieren wollen, um den Austausch in der Gruppe zu fördern und eigenständig kleinere Projekte und Exkursionen vor Ort mitzugestalten.
Eigentlich ist bei der großen Wahl an Studienmöglichkeiten in Deutschland zu erwarten, dass jeder, der studieren möchte, auch eine geeignete Fächerkombination findet. Sollte ein Teilnehmer trotzdem erst nach Beginn des Programms merken, dass er auf gar keinen Fall mehr studieren will, steht es ihm natürlich frei, das Programm zu beenden. Jeder, der sich um eine Aufnahme in das Programm bewirbt, sollte aber wissen, dass es mehr Bewerber als Plätze gibt und dass, sobald er einen Platz erhält, jemand anderes dafür nicht mitmachen kann. Vor diesem Hintergrund sollte ein Abbruch des Programms nur in Ausnahmefällen erfolgen. Niemand sollte sich von einer Phase des Zweifels während der drei Programmjahre „ins Bockshorn“ jagen lassen. Dies gehört einfach dazu und der Studienkompass richtet sich ja gerade auch an diejenigen, die noch nicht wissen, was und ob sie studieren wollen.
Dann wird gemeinsam mit den Regionalkoordinatoren und den Vertrauenspersonen vor Ort nach der besten Lösung für die individuelle Situation der Teilnehmer gesucht. Es wäre beispielsweise denkbar, dass der Teilnehmer nach dem Abitur ein Jahr aussetzt und im darauf folgenden Jahrgang das dritte Studienkompass-Förderjahr mitmacht.
Die Teilnahme am Programm ist unentgeltlich. Anfallende Kosten für Materialien sowie Fahrtkosten außerhalb der jeweiligen Studienkompass-Standorte werden von den Programminitiatoren getragen. Neben den Hauptveranstaltungen werden vor Ort in den Regionen auch Treffen, Ausflüge und Exkursionen stattfinden. Diese sind von dem Interesse und Engagement der Teilnehmer/innen vor Ort abhängig. Auch die örtlichen Informationsveranstaltungen und die Betreuung in der Region sind unentgeltlich.
Hausaufgaben oder Tests im schulischen Sinn, für die die Schüler/innen sich extra vorbereiten müssen, sind im Programm nicht vorgesehen. Innerhalb der Studienkompass-Workshops finden Übungsblöcke statt. Allerdings werden diese nicht wie in der Schule bewertet. Es werden keine Noten vergeben und die Ergebnisse der Tests dienen den Teilnehmern lediglich zur eigenen Information und Orientierung. Grundsätzlich sollten die Teilnehmer aber schon Lust haben, sich auch außerhalb der Studienkompass-Veranstaltungen im eigenen Interesse mit dem Thema „Was wo studieren?“ auseinanderzusetzen und die Erkenntnisse aus den Seminaren für sich in Ruhe überdenken.
Das geht leider nicht. Zum einen aus organisatorischen Gründen, weil jeder Teilnehmer sich zu Beginn des Programms zwei Jahre vor dem Abitur befinden muss, damit die Haupt- und regionalen Begleitveranstaltungen genau in diesen Zeitraum passen. Zum anderen, weil es bei dem Auswahltest ja nicht um einen Test geht, bei dem man bestehen oder durchfallen kann. Kriterien der Auswahl sind so definiert, dass man nicht bei einem weiteren Versuch einfach bestehen kann, weil man „mehr gelernt hat“ und dadurch besser abschneidet. Bewerber, die bei ihrem ersten Versuch nicht mehr aufgenommen werden konnten, erhalten einen Platz auf der Warteliste. Von dort rücken sie im ersten Jahr automatisch auf, wenn ein Teilnehmer abspringen sollte.
Grundsätzlich müssen die Eltern der Schüler, die zum Zeitpunkt der Bewerbung noch nicht volljährig sind, eine Einverständniserklärung für die Teilnahme an dem Auswahltest ausfüllen. Ohne diese ist eine Aufnahme in das Programm ausgeschlossen.
Aber auch darüber hinaus gilt: Wer bei dem Studienkompass gerne mitmachen möchte, sollte natürlich auch mit den eigenen Eltern darüber sprechen. Schön ist es, wenn die Eltern das Programm ebenso spannend finden wie die Teilnehmer und diese dabei unterstützen. Eltern können sich von dem Vorteil, den ihr Kind durch eine Teilnahme am Programm hat, auf der Studienkompass-Internetseite unter dem Punkt Informationen für die Eltern (auch in englischer und türkischer Sprache) überzeugen oder sich mit den Studienkompass-Mitarbeitern in Verbindung setzen.
Zusätzlich finden in den Studienkompass-Standorten Informationsveranstaltungen statt, zu denen am besten auch gleich die Eltern der Interessenten mitkommen. Hier können Fragen im direkten Kontakt mit den Organisatoren angesprochen und geklärt werden.