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Vorhang auf für den opernkompass

Ein Bericht von Studienkompass-Teilnehmerin Artenisa Bytyci mit Unterstützung von Johanna Götz

Kostümprobe mit Turandot - die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des opernKOMPASS
1. Tag – Kennenlernen und erste Einblicke

Es ist ein gewöhnlicher Freitag in der Düsseldorfer Altstadt, die Sonne scheint und irgendwie liegt etwas Künstlerisches in der Luft. Da rollen auch schon die ersten Koffer an und damit die ersten gespannten Köpfe der insgesamt 20 jungen Menschen, die aus ganz Deutschland hergefahren sind, um dieses Wochenende eine - für die meisten unter ihnen - neue Welt zu entdecken: die Welt der Oper. Auch für mich ein neues, bislang nicht erforschtes Terrain. 60 Interessierte haben sich mit einem Motivationsschreiben für den opernKOMPASS beworben und 20 wurden ausgewählt. Eine einmalige Möglichkeit also. 2015 hat der Studienkompass erstmalig den opernKOMPASS in Zusammenarbeit mit der Deutsche Bank Stiftung zum Leben erweckt und jedes Mal war er ein großer Erfolg, denn das Interesse an der Oper ist bei den Teilnehmern des Studienkompass ungemein hoch.

Nachdem wir einen ersten Eindruck von Düsseldorf bekommen haben, ging es auch gleich ins Opernhaus, wo wir von allen herzlich Willkommen geheißen wurden. Unsere Ansprechpartner für die drei Tage waren der Dramaturg Dr. Bernhard F. Loges, der seit 2009 am Haus tätig ist, und die Theaterpädagogin Anja Fürstenberg, die sich beide von Anfang an engagiert um uns kümmerten und auf unsere Fragen und Interessen eingingen. Zunächst wurden wir in die Thematik eingeführt und erfuhren Vieles über die bekannte Deutsche Oper am Rhein. Die vorher entstandene Anspannung durch die imposante Innenarchitektur und die erstmalig einschüchternde Wirkung des Gebäudes, löste sich schnell während des einführenden Kennenlern-Workshops, der mit verschiedenen Spielen und der Verbindung zwischen Rhythmik und Musik schnell dafür sorgte, dass sich die Gruppe auflockerte. Klara Hens, Musikstudentin auf Lehramt und Praktikantin im Opernhaus, sorgte zusammen mit Frau Fürstenberg für eine entspannte Atmosphäre. Eine starke Gruppendynamik wurde geschaffen, die für die nächsten Tage die Grundlage des opernKOMPASS wurde.

Als dann der Einstieg super ablief, wurden wir von Nele Schäfer, die momentan ein FSJ Kultur in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Opernhauses macht, durch das ganze Haus geführt. Das Foyer ist mit Fresken geschmückt, die Szenen aus griechischen Mythologien darstellen, an denen viele Opern angelehnt sind. Das Herz der Oper – der große Saal – in dem die regulären und die Ballett- Aufführungen stattfinden, ist denkmalgeschützt und größtenteils der 50-er Jahre Architektur zuzuordnen. 1.296 Besucher fasst dieser heute. An der Stelle wurden wir all unsere Fragen zum Bühnenaufbau und zur Installation los und lernten, wie auf der Bühne inszeniert wird und dass die Personenführung mit den Sängern teilweise spontan angepasst wird, da die Sänger zwar die Oper und Partitur kennen, die Inszenierung jedoch nicht. Wie verlaufen die Proben eines Opernstückes ab? Wo halten sich all die Chorsänger/innen während des Stückes auf? Wer kümmert sich darum, dass jeder zur richtigen Zeit auf der Bühne steht? Zu unserem Glück war auch der technische Direktor Peter Krottenthaler in unserer Nähe und wir nutzten das aus, um uns von ihm über Licht- und Tontechnik berichten zu lassen.

Es ging für uns hinter die Bühne, wo wir etwas über die geschichtlichen Hintergründe des Opernhauses erfuhren. Fast alles war während des Krieges vollständig vernichtet und wurde nach Plänen der Architekten Julius Schulte Frohlinde, Paul Bonatz und Ernst Huhn Mitte der 50er Jahre wiederaufgebaut und das Erscheinungsbild wurde neu definiert. Die zahlreichen Stilelemente der 50er Jahre Architektur konnten dennoch erhalten werden. Wir durften sogar auf die große Bühne und für einen Moment sehen, was die Sänger/innen während eines Auftritts sehen. Das war sehr spannend und wirklich etwas Besonderes. Außerdem haben wir gelernt, warum es in einem Souffleurkasten leicht riechen kann: dieser Job ist die Definition von höchstem Multitasking. Der Orchestergraben vor der Bühne, unter dem Zuschauerraum, gehörte definitiv zu den Highlights der Führung. Einmal auf dem Podest des Dirigenten zu stehen, das übrigens durch Projektoren und Spiegeln von allen Instrumentalisten gesehen werden kann, ja das ist keine alltägliche Sache.

Anschließend sind wir in den Kostümfundus gegangen, der aus stolzen 50.000 (!) Kostümen und aufregenden, farbenfrohen, endlos langen Bahnen von Stoffen, Tanzbekleidungen, Hüten, Schuhen und Requisiten besteht. Wir mussten aufpassen, dass wir zwischen all den Stoffreihen nicht verloren gehen. Ein Traum für jeden, der sich gerne verkleidet. Leider wird an Privatpersonen nichts verliehen... Wir haben nachgefragt. 

2. Tag – Großer Auftritt am Abend

Am zweiten Tag fuhren wir ins Duisburger Theater, wo wir ebenfalls eine spannende Führung bekamen. Die Unterschiede zum Opernhaus wurden besonders im Zuschauerraum erkennbar; der kleinere Orchestergraben wurde zum Beispiel später hinzugefügt. Um uns auf die abendliche Vorstellung vom mittlerweile ausverkauften „Turandot" einzustimmen und vorzubereiten, durften wir im Ballettsaal des Theaters Duisburg unter der Leitung von Frau Fürstenberg in einzelne Musikausschnitte des Stückes rein hören und auftretende Melodien, wie die Erkennungsmelodie des Kaisers, gemeinsam erlernen und singen, Szenen aus der Oper in Gruppen vorbereiten und unserer eigenen Interpretation entsprechend vorspielen. Außerdem konnten wir anhand von Zeichnungen des Kostümbildners die Rollen näher kennenlernen und sie uns besser vorstellen. Beim Gang durch die Requisite gab es wirklich alles zu sehen: von Tonkrügen, Puppen, Schatullen, Flaschen, Büchern, Nachbildungen von Tieren, Vogelkäfigen... bis hin zu überdimensional großen Telefonen. Die Fülle und das Ausmaß an notwendigen Requisiten waren schier überwältigend. Wieder im Düsseldorfer Opernhaus angekommen, bekamen wir einige prachtvolle Kostüme präsentiert, die wir zuvor im Theaterpädagogischen Workshop auf den Zeichnungen kennenlernten.

Wir haben unseren Wissenshunger gut stillen können – doch ein paar Fragen zum Berufsfeld der Oper waren noch offen. Um uns diese bestmöglich beantworten zu können, hat Herr Loges den bekannten und erfolgreichen Pianisten, Korrepetitor und Dirigenten Jesse Wong und die erfahrene, ebenso bekannte Sängerin Dimitra Kotidou zu unserer Fragerunde eingeladen. Einmal die Möglichkeit zu haben, mit solchen interessanten Persönlichkeiten zu reden und sie zu ihrem Werdegang, ihrer Laufbahn und ihrem Privatleben befragen zu können, gehörte definitiv zu den spannendsten Erlebnissen dieser drei Tage. Wie läuft das Aufnahmeverfahren an einer Oper ab, wenn man Opernsänger/in werden möchte? Wie viel verdient ein Dirigent überhaupt? Ist der Konkurrenzkampf untereinander wirklich so schlimm? Und hat man in so einem Beruf eigentlich noch Zeit für das Privatleben?

Nach dem Stillen unseres Wissenshungers ging es wieder ins Hotel, wo sich jeder schick machte, denn der große Abend der „Turandot" stand an. Für die meisten war das ein absolutes Highlight des opernKOMPASS. Wir nahmen die Vorstellung mit anderen Augen wahr – nämlich mit dem Hintergrundwissen zur Arbeit, die monatelang vor der großen Aufführung beginnt und der nötigen Zusammenarbeit aus den einzelnen Bereichen, sowie der investierten Mühe und Zeit, die dafür eingeflossen sind. So war die Vorstellung nochmal um Vieles beeindruckender. Als das Stück vorbei war, strahlten 20 Augenpaare und jeder war begeistert.
Bereit für den großen Auftritt - Turandot stand auf dem Programm

3. Tag – Viele, viele Eindrücke für die Heimreise

Am nächsten Tag fand die Nachbesprechung der Inszenierung statt. Es war sehr interessant all die unterschiedlichen Meinungen und Empfindungen zum Stück zu hören und zu sammeln. Philipp Westerbarkei, Spielleiter, Regieassistent und Regisseur, fand zu unserem Glück auch noch Zeit, um mit uns über seinen so vielfältigen Beruf und sein spannendes Leben zu reden. Wie er das geworden ist, was er heute ist und wie die Leidenschaft, die er zum Beruf gemacht hat, nicht nur sein Job, sondern sein Leben ist. Er machte uns klar, wie sehr man für die Kunst brennen muss, um seine Ziele erreichen zu können. Wir hätten ihm noch stundenlang zuhören können – so fesselnd wie er ist. Wie ein Stück entsteht, wie die Darsteller gecastet werden und vieles mehr... Im Anschluss gaben wir, die neuen Fans der Oper, unser Feedback zu den drei Tagen ab und tauschten uns aus. Jeder bedankte sich herzlich bei unseren zwei Ansprechpartnern vom Studienkompass: Monika Müller und Patrick Schneider, die für die Organisation und unser Wohlbefinden zuständig waren.

Es waren für jeden Teilnehmer drei tolle, spannende und vor allen Dingen wissensreiche Tage, die wir so schnell nicht mehr vergessen werden.
Ein großes Dankeschön gebührt der Deutsche Bank Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft dafür, dass sie den opernKOMPASS überhaupt möglich gemacht und uns diese einmalige Möglichkeit geschenkt haben, hinter die Kulissen blicken zu können.

Dankeschön! Wir verbeugen uns.