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ein Blick hinter die KUlissen der Bayerischen Staatsoper


Der opernKompass 2019 begann mit einem theaterpädagogischen Workshop zum Stück „La fanciulla del West“ von Giacomo Puccini.

Bei der diesjährigen Ausgabe des opernKompass erhielten 20 Teilnehmende aus dem Studienkompass die Chance, den Opernbetrieb der Bayerischen Staatsoper kennenzulernen. Führungen durch verschiedene Abteilungen – u. a. Spielleitung, Kostüm und Technik – ermöglichten intensive Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen. Im Gespräch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den unterschiedlichen Bereichen wurde die große Anzahl von spannenden Berufen und Aufgaben deutlich, die es in einer Oper gibt.

Der Workshop opernKompass wurde 2015 auf Initiative der Deutsche Bank Stiftung speziell für Studienkompass-Teilnehmende ins Leben gerufen. Er richtet sich an all diejenigen, die eine Oper vor und hinter der Bühne kennenlernen und mehr über die Hintergründe und das Arbeitsumfeld erfahren wollen.

In einem Erfahrungsbericht schildern die beiden Teilnehmerinnen Hannah und Ellen, wie sie den opernKompass 2019 erlebt haben:

Freitag (von Hannah)

Zum opernKompass 2019 machten sich 20 Studienkompass-Teilnehmerinnen aus ganz Deutschland auf den Weg nach München. Nach und nach trafen wir im Hotel ein und waren gespannt, was uns erwarten wird. Nachdem alle angekommen waren, machten wir uns das erste Mal gemeinsam auf den Weg zur Bayerischen Staatsoper. Dort angelangt durften wir Malte Krasting kennenlernen, der uns daraufhin das ganze Wochenende in der Oper begleitet hat. Mit ihm und der Musiktheaterpädagogin Nikola Ziegler erfuhren wir durch einen theaterpädagogischen Workshop mehr über die Handlung und die mitwirkenden Figuren im Stück „La fanciulla del West“, welches wir am darauffolgenden Tag anschauen durften. Dabei hörten wir uns unter anderem den musikalischen Auftakt an, sangen selbst ein bisschen und schlüpften in die Hauptcharaktere des Stückes. Im Anschluss gingen wir am Max-Joseph-Platz in ein Gasthaus, wo die traditionelle bayrische Küche mit Gerichten wie Schnitzel, Leberkäse und Spätzle unseren Hunger stillte. Zum Abschluss des Freitags trafen wir dann noch zwei Orchestermusiker, die uns ein kleines Privatkonzert mit Melodien aus „La fanciulla del West“ auf Geige und Snare gaben. Zudem konnten wir ihnen alle unsere Fragen zum Orchester und dem Berufsalltag als Musiker stellen. Erschöpft, aber mit Vorfreude auf den kommenden Tag und die Opernaufführung gingen wir schlafen.Malte Krasting arbeitet in der Dramaturgie der Bayerischen Staatsoper und begleitete den opernKompass 2019 das ganze Wochenende.

Samstag (von Ellen)

Nach dem Frühstück und der Fahrt zur Oper trafen wir uns mit Dr. Claudia Küster, der Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros, und wurden von ihr durch die Oper geführt. Nun konnten wir zum ersten Mal den prunkvollen Eingangsbereich der Oper bestaunen. Während wir durch die beiden ionischen Säle und den Königssaal geführt wurden, lauschten wir der Geschichte des Hauses, erfuhren von seinem Erbauer und bekamen die Büsten der berühmten Künstler gezeigt. Anschließend durften wir von der Königsloge aus hinein in den Konzertsaal sehen. Von diesem Plätzchen aus hat man wirklich den besten Blick auf die Bühne. Nachdem wir Frau Dr. Küster über diverse Blumenschalen und Kuriositäten – wie den Kronleuchter aus Murano-Glas – ausgefragt hatten, endete unsere Führung und wir kamen in einem der vielen unterirdischen Proberäume zusammen, um ihr noch weitere Fragen zu ihrer Quereinsteiger-Karriere an der Oper zu stellen.

Viele Fragen später verabschiedeten wir uns, um uns dem nächsten spannenden Programmpunkt zuzuwenden: der Requisite. Es schien so, als würde man in eine andere Welt eintauchen. Während wir in kleinen Grüppchen loszogen, um das Requisitenlager zu erkunden, entdeckten wir die verschiedensten Dinge. Es schien alles zu geben: Essen, Puppen, Bücher, Gläser... Tausende Requisiten stapelten sich in den hohen Metallregalen, beschriftet mit Zetteln, auf denen der Name der Oper oder des Ballettstücks stand, zu dem der Gegenstand gehörte. In dem geordneten Chaos fragten wir den verantwortlichen Requisiteur über seine Arbeit aus. Er beantwortete uns alle Fragen gerne und erzählte voller Begeisterung von seinen schwierigsten „Fällen“: von Requisiten wie zum Beispiel Pferden oder Hunden. Danach begleitete er uns in einen der Probesäle, um uns ein paar Requisiten zu zeigen, die er für uns herausgesucht hatte: eine verrückte Kamera, ein Koffer, der sich von alleine öffnete, eine Feuertonne und ein elektrischer Rollstuhl. Zu jedem dieser Gegenstände erklärte er uns, wie sie hergestellt wurden und wie sie funktionieren. Als kleines Highlight durften wir Kunstglas zerschmettern. Diese Gegenstände aus einem Kunststoffgemisch sind wirklich so leicht, dass man jemanden damit schlagen kann, ohne denjenigen zu verletzen – wie uns der Requisiteur an seinem eigenen Leib demonstrierte, indem er einer von uns erlaubte, ihm eins mit einem Glas überzuziehen. Nicht wenige von uns nahmen sich einen kleinen Splitter des Kunstglases als Andenken mit.

Anschließend ging es auf den Dachboden in die Schuhmacherei. Das erste Grandiose, was uns begegnete, war die Aussicht: Bei dem strahlenden Wetter konnte man über ganz München blicken. Doch als wir das Schuhlager betraten, war die Aussicht vergessen. In dem großen Raum standen in den vielen Regalreihen Schuhe über Schuhe für jeden erdenklichen Anlass. Selbst Kinderschuhe konnte man entdecken. Von der Decke hingen wahre Schuh-Kuriositäten wie Schuhe, die so lang waren, dass sie dem Träger bis an die Hüfte reichen mussten, oder Schuhe, die wie Hufe aussahen. Der Schuhmacher erklärte uns dieses und jenes zu dem einen oder anderen Schuh, während wir die vielen Regale erkundeten. Im Anschluss ging es in die wohl eigentliche Schuhmacherei, wo wir Schritt für Schritt gezeigt bekamen, wie so ein Schuh entsteht – von den Skizzen der Kostümbildner bis zum fertigen Schuh.

Nach diesen drei wirklich spannenden und informativen Treffen aßen wir gemeinsam zu Mittag, bevor wir das Haus verließen. Nun hatten wir anderthalb Stunden Zeit, um uns in der Stadt umzusehen und natürlich, um uns für den abendlichen Opernbesuch umzuziehen. Als wir wieder zusammenkamen – nun alle umgezogen und geschminkt – stand das letzte Kennenlernen eines Opernberufs für diesen Tag an: die Bühnentechnik. In den ersten Minuten standen wir auf dem bereits aufgebauten Bühnenbild der Oper „La fanciulla del West“ und sahen uns um. Nicht nur das Bühnenbild selbst, sondern auch der Orchestergraben, der Sitz der Souffleuse / des Souffleurs, die prunkvollen Zuschauertribünen und vor allem die ganze aufgebaute Technik über der Bühne zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Neben der Bühne bekamen wir auch die vier Nebenbühnen und das Magazin der Technik zu sehen. Uns wurde erklärt, wie die Bühnenbilder auf- und abgebaut werden können und wir erfuhren, wie gefährlich es eigentlich auf solch einer Bühne ist. Als ein kleines Highlight durften wir in den Raum unter der Bühne blicken, während uns die Technik der Bühne erklärt wurde und wie es zustandekommt, wenn man jemanden von der Bühne verschwinden lassen möchte.

Nach der schnellen Führung war es Zeit, sich für die Oper bereit zu machen. Bei einem kleinen Abendessen wurden die Eintrittskarten ausgeteilt, denn wir saßen alle auseinander in kleinen Grüppchen von zwei oder vier Personen. Die Zeit verging rasend schnell und bald saßen wir alle auf den weichen Stühlen im Konzertsaal und beobachteten das Orchester beim Stimmen der Instrumente. Der Dirigent betrat unter tosendem Applaus den Orchestergraben und mit dem Einsetzen der Musik wurde das Licht gedimmt. Der Vorhang hob sich und die Oper begann. Man kann kaum beschreiben, wie mitreißend diese Vorstellung war. Ehe man sich versah, war man in der Handlung verloren, lachte und weinte oder fieberte und bangte mit den Personen. Schon nach einem gefühlten Fingerschnippen war der erste Akt vorbei und alle strömten in die Pause, um sich an den Getränke-Schlangen anzustellen. Auch der zweite Akt verging wie im Flug. Obwohl wir bereits am Freitag über die Oper gesprochen hatten und einiges an Handlung wussten, blieb es spannend. Erst der dritte Akt, der nach der kurzen Lichtpause begann, war uns vollkommen unbekannt, obwohl wir nach einem ungeplanten Spoiler bereits darüber im Klaren waren, dass alles gut enden würde. Allerdings hielt selbst dieses gute Ende Überraschungen bereit, denn es endete nicht so gut, wie es erst den Anschein hatte. Als dann der Vorhang gefallen war und all die Sängerinnen und Sänger hervorkamen und sich verbeugten, konnte man nicht anders als mit einem Lächeln zu klatschen.

Voller Energie und Freude über das Erlebte trafen wir uns am Ausgang und fuhren zusammen zurück ins Hostel und begannen, die ersten Sachen zu packen, denn bereits am nächsten Tag sollte unsere Fahrt ja schon enden.Backstage in der Bayerischen Staatsoper: Vor dem Beginn der Aufführung von „La fanciulla del West“ konnten die Teilnehmerinnen einen Blick auf die Bühnentechnik werfen.

Sonntag (von Hannah)

Nach einer kurzen Nacht begaben wir uns am Sonntagvormittag das letzte Mal zum Opernhaus, wo wir gemeinsam mit Malte und der Spielleiterin Martha Münder ein angeregtes und intensives Nachgespräch zur Aufführung hatten. Wir tauschten Meinungen über die Handlung und die Inszenierung aus und stellten Frau Münder Fragen zu ihrem Berufsalltag. Zum krönenden Abschluss besuchte uns dann zur Überraschung Anja Kampe, die weibliche Hauptrolle in „La fanciulla del West“. Auch ihr durften wir alle möglichen Fragen stellen, zum Beispiel, wann sie wusste, dass sie Opernsängerin werden möchte oder, wie viel Freizeit neben der Arbeit als Opernsängerin bleibt. Nach einer Verabschiedung mit viel Applaus, gab es dann noch eine kleine Feedback- und Abschlussrunde unter den Studienkompass-Teilnehmerinnen. Am Schluss bedankten wir uns recht herzlich bei Malte Krasting, der uns das ganze Wochenende begleitet hat und uns ab und an kleine Hintergrundgeschichten über das Opernhaus erzählt hat. Jetzt hieß es Abschied nehmen von einem bereichernden und informativen Wochenende, das wir sicherlich nicht vergessen werden. Mit vielen neuen Einblicken machten wir uns auf den Heimweg und dachten noch lange über die Aufführungen und die Berufe nach, die wir kennenlernen durften. Und wer weiß: Vielleicht wird eines Tages eine ehemalige Studienkompass-Teilnehmerin an einem opernKompass Wochenende etwas über ihren Beruf an der Oper erzählen. 
An dieses Wochenende werden sich die Teilnehmerinnen noch lange erinnern.